Ratgeber Klettern

In unseren Kletterkursen in München begegnen uns unsere Teilnehmer mit vielen Fragen. Vor allem diejenigen, die mit dem Klettern beginnen haben viele Fragen rund ums Klettern. Wir haben für Euch ein paar der wichtigsten Fragen zusammengestellt und einen kleinen Ratgeber Klettern erstellt. Hier findet ihr viele Antworten. Eure Frage ist nicht dabei? Dann kontaktiert uns einfach. Denn am liebsten beantworten wir Eure Fragen sowieso persönlich.

Ich möchte gerne mit dem Klettern anfangen. Muss ich dafür besonders sportlich sein?

Klettern ist ein Sport für jeden. Und das meinen wir auch wirklich so. Ob klein oder groß, jung oder alt, etwas kräftiger oder schlank, ob Sportskanone oder chronisch faule Couch-Potato oder auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Behinderungen. Jeder kann klettern. Und jeder wird seine ganz eigene Herausforderung beim Klettern finden. Wie schwer die Routen sind oder wie ambitioniert die Ziele entscheidet jeder für sich. Die Hauptsache in unseren Augen: Klettern soll Spaß machen.

Welche Ausrüstung brauche ich zum Klettern?

Die Ausrüstung variiert, je nachdem, ob Du in der Halle oder am Fels klettern möchtest. Die meisten beginnen mit dem Klettern in der Halle. Dort benötigst Du ein Seil, ein Sicherungsgerät, einen Klettergurt, Kletterschuhe und eventuell einen Chalkbag. Außerdem braucht Ihr einen festen Schuh (z.B. Joggingschuh) zum Sichern. Bei unseren Schnupperkursen, Kletterkursen für Anfänger und Kletterkursen Vorstieg  stellen wir unseren Kursteilnehmern die Ausrüstung bis auf Schuhe zur Verfügung. Die Kletterhallen bieten in der Regel ebenso Ausrüstung zum Verleih an. Wenn ihr feststellt, dass Euch das Klettern Spaß macht, lohnt sich durchaus die Anschaffung einer eigenen Ausrüstung. Wer am Fels Klettern möchte, benötigt etwas mehr. Denn am Fels müsst ihr selbst Exen als Zwischensicherungen einhängen. Außerdem braucht ihr am Fels einen Helm und ein Abseilgerät sowie Bandschlingen und Prusik-Schnur. Materialkunde ist ein wichtiger Bestandteil in unseren Kletterkursen am Fels.

Klettern am Fels oder Klettern in der Halle?
Klettern in der Halle oder Klettern am Fels?

Klettern – in der Halle oder am Fels?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Für uns ist das Klettern in der Natur am Fels die schönste Form des Kletterns. Es ist ein einzigartiges Naturerlebnis, den Fels zu spüren und draußen sein zu können. Doch auch das Klettern in der Halle bietet einige Vorteile: Die Wände sind super abgesichert und da es einige Hallen in und um München gibt, eignen sie sich vor allem für Trainingseinheiten zwischendurch. Als Münchner haben wir den Luxus, dass wir schöne Felsen und Klettergebiete innerhalb kürzester erreichen können. Beispielsweise in Kochel, in Bad Heilbrunn oder auch im Allgäu.

Wo kann ich in München Klettern gehen?

In München gibt es zwei große dav-Kletterhallen: Das Kletter- und Boulderzentrum München Nord in Freimann und das Kletter- und Boulderzentrum München Süd in Thalkirchen. Außerdem gibt es das Kletter- und Boulderzentrum München West in Gilching. Hinzu kommen einige private Kletter- und Boulderhallen (z.B. High-East in Kirchheim bei München, Boulderwelt München Ost oder Boulderwelt München West). Vor allem unter der Woche am Abend sind die Kletterhallen gut besucht und häufig recht voll. Unser Tipp: vormittags und tagsüber sind die Hallen meistens deutlich leerer. Das Klettern ist dann viel entspannter.

Kann ich meinen Kletterschein nur direkt beim dav machen?

Nein, auch private Kletterschulen bieten Kletterkurse an, bei denen Du einen Kletterschein erwerben kannst. Wir bieten Kletterkurse für Anfänger und Fortgeschrittene sowie Outdoorkurse. Du kannst bei uns den dav-Kletterschein Toprope und den dav-Kletterschein Vorstieg erhalten. In vielen Kletterhallen ist der Nachweis eines Kletterscheins keine Voraussetzung, um dort klettern zu können. Wir sind aber der Meinung: Klettern birgt viele Risiken, wenn Du es nicht anständig lernst. Deshalb empfehlen wir allen, die gerne Klettern wollen, das nur unter fachkundiger Anleitung zu lernen.

Kletterseil

Mit welchem Sicherungsgerät soll ich beim Klettern sichern?

Hier haben wir eine ganz klare Haltung: wir empfehlen ausschließlich das Sichern mit so genannten Halbautomaten. Was das bedeutet? Vorausgesetzt, sie werden richtig bedient (Bremshandprinzip), haben Halbautomaten einen Mechanismus, der dazu führt, dass die Sicherungsgeräte bei einem ruckartigen Zug, wie er bei einem Sturz auftritt, selbsttätig und vollständig blockieren. Dieser Mechanismus bietet eine deutlich höhere Sicherheit für den Kletterer als andere Sicherungsgeräte oder das Sichern mit Halbmastwurf, bei dem einzig und allein die Hand am Bremsseil einen Sturz des Kletterers verhindern kann. Stolpert der Sicherer beispielsweise oder verletzt er sich am Fels aufgrund eines Steinschlags, ist der Kletterer nicht mehr gesichert und würde im Fall eines Sturzes ungebremst bis zum Boden stürzen. Der Mechanismus bei Halbautomaten verhindert das. Dennoch gilt auch hier: beim Sichern ist es wichtig, dass die Bremshand IMMER am Bremsseil ist. Denn auch der Mechanismus beim Halbautomaten kann unter bestimmten Voraussetzungen versagen. Unserer Meinung nach die besten: Black Diamond ATC Pilot, AustriAlpin Fish, Mammut Smart 2.0 und Edelrid Eddy. Jedes Jahr kommen immer wieder neue Geräte auf den Markt. Wenn Ihr Fragen dazu habt, kontaktiert uns gerne.

Welches Seil brauche ich zum Klettern?

Fürs Klettern brauchen wir ein dynamisches Kletterseil. Dynamische Seile sind dehnbar und nehmen deshalb Sturzenergie auf und reduzieren so den auf den Kletterer wirkenden Fangstoß auf ein für den menschlichen Körper erträgliches Maß. Kletterseile sind genormt und müssen entsprechende Kriterien erfüllen, die von der UIAA (Internationale Kletterföderation) oder der Europäischen Norm (EN) festgelegt werden. Dynamische Seile verwenden wir beispielsweise beim Sportklettern, beim alpinklettern oder beim Eisklettern. Es gibt drei Arten von dynamischen Seilen: Einfachseil, Halbseil oder Zwillingsseil. Fürs Sportklettern brauchen wir ein so genanntes Einfachseil, für viele Mehrseillängen-Routen in den Bergen nutzt man ein Halbseil, auch Doppelseil genannt. Beim Eisklettern benötigt man ein Zwillingsseil. Einfachseile haben einen Durchmesser zwischen 8,5 bis 11 Millimeter. Je nach Bedarf haben die gängigen Seile eine Länge von 50 bis 80 Meter. Wichtig: Immer ein Knoten ans Seilende machen. So kann es nicht passieren, dass das Seilende beim Klettern aus Versehen durch das Sicherungsgerät läuft. Das ist vor allem am Fels wichtig, falls die Höhenangaben der Routen im Kletterführer nicht korrekt angegeben sind, Du keine genauen Informationen zur Route hast oder nicht ganz sicher bist, wie lange das Seil ist, mit dem Du kletterst.

Welche Muskeln werden beim Klettern trainiert?

Beim Klettern wird fast ohne Ausnahme die gesamte Körpermuskulatur beansprucht. Die Intensität der Belastung und Verwendung von einzelnen Muskelgruppen ist aber sehr unterschiedlich. Um eine grobe Vorstellung davon zu bekommen, welche Muskeln beim Klettern stark trainiert werden, müssen wir uns den Bewegungsablauf bei einem Klimmzug vorstellen. Die Muskeln an unserem Unterarm, die dafür verantwortlich sind, unsere Finger zu beugen. Bei jedem Zug werden sie extrem belastet und gehören somit zu den wichtigsten Muskeln beim Klettern. Gerade im Schulter- und Brustbereich beansprucht das Klettern unsere Muskulatur sehr einseitig. Deshalb ist es sehr wichtig, die Antagonisten mittels Ausgleichstraining zu trainieren. So können wir typische Kletterbeschwerden an Schultern, oberer Brustwirbelsäule und den Ellenbogen vorbeugen.

Wolfgang Güllich hat etwas ganz andere als den stärksten Muskel für das Klettern bezeichnet: unser Gehirn.

Wie finde ich heraus, welches der passende Schwierigkeitsgrad für mich ist?

Um zu wissen, in welchem Schwierigkeitsgrad Du klettern solltest, musst Du Dein Kletterniveau kennen. Du kletterst genau Deinem Kletterniveau entsprechend, wenn Du eine Route von unten bis zum Umlenker durchklettern kannst ohne zu stürzen oder „zu“ zu sagen. Wenn Du zum Klettern gehst, solltest Du nach dem Aufwärmen immer zwei bis drei Routen in einem für Dich sehr einfachen Schwierigkeitsgrad, also unter Deinem eigentlichen Kletterniveau klettern. Bei diesen Routen solltest Du darauf achten, Dich gut aufzuwärmen, alle Bewegungen ganz bewusst auszuführen und in die Kletterbewegungen rein zu kommen. Bist Du gut aufgewärmt, kannst Du Routen klettern, die Deinem Kletterniveau entsprechen oder Routen projektieren, die Du noch nicht durchsteigen kannst. Am Ende empfehlen sich nochmals zwei leichtere Routen zum Ausklettern.

Ab wann kann ich nach der Geburt wieder klettern gehen?

Die Frage, ab wann Du nach der Geburt wieder klettern gehen kannst, können wir hier nicht pauschal beantworten. Das hängt natürlich von dem Verlauf der Geburt und Deiner persönlichen Verfassung danach ab. Dein Körper hat sich während der Schwangerschaft und Geburt sehr verändert und braucht danach etwas Zeit, sich von dieser Leistung zu erholen. Auch wenn Du es kaum erwarten kannst, wieder Deiner Leidenschaft nachzugehen: Bevor Du nach der Geburt wieder Sport machen kannst, solltest Du einen Rückbildungskurs besuchen. Dort stärkst Du Deine Beckenboden- und Bauchmuskulatur. Sprich mit Deinem Frauenarzt/ Deiner Frauenärztin oder Deiner Hebamme, wenn Du Dich wieder bereit fühlst, um zum Klettern zu gehen. Sie können Dir sagen, ob auch Dein Körper wieder bereit für die sportliche Belastung ist. Solange Dein Baby noch klein ist, kannst Du noch ganz gut zum Klettern gehen. Denn es liegt sicher im Kinderwagen und kann sich noch nicht bewegen. Werden die Kinder größer, gibt es ein paar Tipps zu beachten, die wir für Dich in einem Blogartikel zusammengefasst haben.

Ab wann können Kleinkinder klettern?

Kinder haben von klein an ein ganz natürliches Bedürfnis, zu klettern. Das Krabbeln gehört zu den ersten Bewegungen, die Kinder lernen und kommt dem Klettern sehr nahe: denn sie nutzen Beine und Arme für ihre Fortbewegung. Sobald die Kinder krabbeln können, klettern sie überall hoch und gehen so auf natürliche Weise ihrem Bedürfnis nach. Ab dem 4. Lebensjahr können Kinder in der Kletterhalle Spaß haben. Das bedeutet, sie können im Nachstieg gesichert erste Kletterversuche an der Wand machen und sich ein wenig mit den Bewegungen beim Klettern vertraut machen. Dafür eignen sich auch die Kinderbereiche in den Kletterhallen, in denen die Kinder bouldern können. Seilklettern (und dazu gehört natürlich auch das Sichern) im Nachstieg können Kinder etwa ab dem 6. Lebensjahr lernen. Etwa ab dem 8. Lebensjahr können sie das Klettern und Sichern im Vorstieg üben. Die Angaben zum Alter lassen sich natürlich nicht pauschal sagen. Jedes Kind ist in seiner Entwicklung unterschiedlich. Die einen können vielleicht schon früher damit beginnen, andere brauchen etwas mehr Zeit. Uns ist es in unseren Kursen wichtig, die Kinder nicht unter Leistungsdruck zu setzen, sondern ihnen das Klettern mit viel Spaß und Freude zu vermitteln.