Sharing is caring!

Immer wieder bekommen wir in unseren Kursen die Frage gestellt: „Welches Sicherungsgerät ist das Beste? Was soll ich mir kaufen.“ Deshalb haben wir für Euch den großen Kletterherz-Sicherheitscheck gestartet. Unsere Mission: Die Suche nach dem ultimativen Sicherungsgerät!

Die Kletterherz-Tester: János mit mehr als 30 Jahren Kletter-Erfahrung kennt so ziemlich jedes Sicherungsgerät, das es auf dem Markt gab und gibt. Als leidenschaftlicher Kletterer und ehemaliger Industriekletterer war er immer interessiert an neuester Technik und neuen Materialien. Beruflich hat er eng mit Herstellern zusammengearbeitet und Einblicke in die Entwicklung bekommen.  Als Trainer kennt er auch die Bedürfnisse von Kletter-Anfängern bei der Anwendung der Sicherungsgeräte. Analena, ehemals Journalistin, hat investigatives Blut in den Adern und geht den Dingen leidenschaftlich gerne auf den Grund. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem ultimativen Sicherungsgerät.

Kletterherz-Sicherheitscheck Teil 1: Das Revo von Wild Country

Kurz und knapp – unsere wichtigsten Erkenntnisse über das Revo im Überblick:

  • Das Revo bietet eine ganz neuartige Technonlogie mit viel Potenzial.
  • Revo und starke Seilreibung sind keine guten Freunde.
  • Kletteranfänger und das Revo unserer Meinung nach leider auch nicht.

 

Testbericht Revo Sicherungsgerät

Das Revo – Die Theorie

Das Revo ist eines der neuesten Sicherungsgeräte auf dem Markt und nutzt eine ganz neue Technologie. Es wird von der Firma Wild Country hergestellt. Es soll die einfache Bedienung von Tubern beim Seil ausgeben und einholen mit der Sicherheit von Halbautomaten mit Blockiermechanismen verknüpfen. Wie der Name verrät, hatte Wild Country mit dem Revo(lution) große Pläne: nämlich den Markt der Sicherungsgeräte zu revolutionieren. Wir durften das Revo testen. An dieser Stelle vielen Dank an den Klettershop Chalkr, der uns das Revo für einen Test zur Verfügung gestellt hat.

Das Revo ist kein Halbautomat. Bei Stürzen hat es zwar eine Blockierfunktion, jedoch NUR, wenn die Bremshand das Seil nicht hält und wenn keine zusätzliche Reibung das Seil bremst. Damit das Revo blockiert, muss das Seil mit einer Geschwindigkeit von 4 Meter pro Sekunde durchlaufen. Die Blockierfunktion ist jedoch nur als Backupsystem gedacht. Wird das Revo richtig verwendet, kommt die Blockierfunktion nicht zum Einsatz (Bremshandprinzip).

Das Revo bietet eine Besonderheit, die bisher einzigartig ist für Sicherungsgeräte, vor allem für Halbautomaten: Es spielt keine Rolle, in welche Richtung das Seil eingelegt wird. Die Blockierung des Seils funktioniert in beide Richtungen – damit ist eine große herkömmliche Fehlerquelle ausgeschaltet. Außerdem ist das Revo mit dieser Besonderheit gleichermaßen gut für Rechts- und Linkshänder geeignet.

Wie genau funktioniert der Blockiermechanismus? Damit das Gerät blockiert, wenn das Seil zu schnell durchläuft, hat es eine Fliehkraftbremse. Diese funktioniert mittels Zentrifugalkraft. Erreicht das durchlaufende Seil eine Geschwindigkeit von 4 Meter pro Sekunde schlägt ein Gewicht raus und blockiert das Gerät. Da das Revo nicht über die ergonomische Form blockiert, kann das Gerät mit jedem Sicherheitskarabiner verwendet werden. Ist das Revo blockiert, lässt sich die Blockierung mit einem Ruck am Bremsseil nach unten wieder lösen, ohne dass eine Hand vom Seil genommen werden muss.

Soviel zur Theorie, jetzt zu unserem Praxistest: Das Revo im Kletterherz Sicherheits-Check

 

Test Sicherungsgerät Revo

Handhabung Seil ausgeben und einholen:

  • Seil ausgeben und einholen funktionieren super mit dem Revo. Das Seil läuft leicht durch und auch schnelles Ausgeben und Einholen ist ohne Probleme möglich. Ein großer Vorteil: Seil ausgeben und einholen funktioniert, ohne dabei das Gerät anfassen zu müssen. Das macht es nicht nur leichter, sondern verhindert auch mögliche Fehler beim Sichern.
  • Fraglich ist, wie das Laufrad im Gerät auf Schmutz reagiert. Unsere Befürchtung: Kommt Sand oder anderer Dreck in die Rolle, kann die Funktion beeinträchtigt werden. Da wir das Revo für den Test nur geliehen bekommen haben, sind wir natürlich sehr sorgfältig damit umgegangen und haben auf einen Praxistest mit Schmutz verzichtet ;).

Blockiermechanismus:

  • Bei Stürzen muss der Sicherer das Seil beim Revo mit viel mehr Handkraft halten als bei anderen Sicherungsgeräten. Selbst bei Tubern bremst der Wiederstand am Karabiner und am Gerät das Seil ein wenig. Beim Revo läuft das Seil über die Rolle in fast voller Geschwindigkeit durch.
  • Sollte das Bremsseil nicht mit der Hand gehalten werden, blockiert das Revo zwar bei Stürzen, aber deutlich später als andere Halbautomaten, da zunächst eine Geschwindigkeit von 4 Metern pro Sekunde erreicht werden muss.
  • Das Lösen des Blockiermechanismus hat sich im Praxistest ab und zu als schwieriger erwiesen, als in der Theorie erläutert.
  • Die Tatsache, dass das Revo etwas später blockiert als andere Sicherungsgeräte, sehen wir vor allem beim Sichern in Bodennähe als kritisch. Hier ist viel Kraft in der Bremshand und viel Erfahrung beim Sichernden erforderlich, um das Seil zu halten. Andernfalls kann ein Sturz des Kletterers gefährlich werden.
  • Wir wollten außerdem wissen, wie es sich auf den Blockiermechanismus auswirkt, wenn der Wiederstand des durchlaufenden Seils erhöht wird. Denn wir haben uns folgende Frage gestellt: Kann es passieren, dass das Seil soweit gebremst wird, dass eine Geschwindigkeit von 4 Meter pro Sekunde nicht erreicht wird, der Sturz aber nicht ganz gehalten wird? Dazu haben wir das Revo in Verbindung mit großer Seilreibung (mit dem Ohm von edelried). Unser Ergebnis: Das Revo blockiert mit zusätzlicher Seilreibung stark verlangsamt oder gar nicht. Der Blockiermechanismus ist, wie bereits erläutert, auf Geschwindigkeit ausgelegt. Wenn diese, wie in unserem Fall fehlt, blockiert das Gerät nicht und der Kletterer fällt mit einer Geschwindigkeit von etwas weniger als 4 Meter pro Sekunde auf den Boden. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass das Bremshandprinzip verletzt wird!

Handhabung Ablassen:

  • Beim Ablassen muss der Sicherer das Seil des Kletterers alleine mit der Hand bremsen. Es gibt keine Mechanik, mit der die Geschwindigkeit des Ablassens reguliert werden kann.
  • Durch die Führung über die Rolle im Gerät läuft das Seil ziemlich schnell durch. Unser Test hat gezeigt, dass wir das Seil stärker halten mussten als beim Tuber.
  • Vor allem bei neuen Seilen (wir haben mit edelried Boa, 9,8 mm getestet, das vielleicht in der Halle 30 Mal im Einsatz war) muss man das Seil mit ziemlich viel Kraft in der Hand halten. Das werten wir in der Handhabung als Nachteil gegenüber anderen Sicherungsgeräten.
  • Lässt man die Sicherungshand beim Ablassen los, blockiert das Revo bei der erforderlichen Geschwindigkeit.

Fehleranfälligkeit in der Bedienung:

  • Ein echtes Plus: Beim Seil einlegen kann der Sicherer keinen Fehler machen, denn es ist egal, in welche Richtung das Seil eingelegt wird.
  • Auch beim Einhängen des Sicherungsgeräts in den Karabiner lässt sich kein Fehler machen. Damit sind schon zwei häufige Fehlerquellen beseitgt.
  • Das Revo muss beim Seil ausgeben und einholen nicht angefasst werden. Auch das ist ein Pluspunkt und verhindert typische Fehler.
  • Doch jetzt kommt ein großes ABER: Denn wie wir oben beschrieben haben, erfordert das Revo viel Erfahrung beim Sichern und Kraft in der Hand. Gerade in Bodennähe muss der Sicherer sehr schnell reagieren, um gefährliche Stürze zu vermeiden. Fehlt hier die nötige Erfahrung, ist das Risiko für kleinere Fehler, die jedoch eine große Auswirkung haben können, groß.

Fazit:

Die gewünschte Revolution ist dem Revo unserer Meinung nach nicht ganz gelungen. Denn wer das Revo als einen Halbautomaten bezeichnet, spricht ihm mehr Funktion zu, als er eigentlich hat. Das Revo ist eigentlich ein Sicherungsgerät mit einem Backupsystem. Doch das Wissen über das Backupsystem kann den Sicherer in trügerischer Sicherheit wiegen. Unserer Meinung nach ein Risiko für den Kletterer. Deshalb empfehlen wir grundsätzlich das Sichern mit Halbautomaten.

Für wen ist das Revo geeignet und wer sollte lieber die Finger davon lassen? Das Revo eignet sich unserer Meinung nach vor allem für erfahrene Sportkletterer und Leistungssportler für lange Trainingssessions oder fürs Spulen. Anfängern empfehlen wir, lieber die Finger vom Revo zu lassen. Denn das Bremshandprinzip ist bei ihnen unserer Erfahrung nach noch nicht so geübt. Deshalb sollten sie ausschließlich mit Halbautomaten sichern.

Was wir super finden: Wild Country hat mit dem Revo ein ganz neues System auf den Markt gebracht, das es bislang bei Sicherungsgeräten noch nicht gibt. Prinzipiell finden wir das sehr gut, an der ein oder anderen Stelle aber auch noch etwas verbesserungswürdig. Wir warten mit Spannung auf die Weiterentwicklung zum Revo 2.0!

Habt ihr einen Wunsch, welche Sicherungsgeräte wir noch für Euch testen sollen? Dann hinterlasst uns einen Kommentar. Wir nehmen Eure Anregungen gerne in unsere Testreihe auf!!